Vaskuläre Ursache von Erektionsstörungen

Bei der Entstehung einer penetrationsfähigen Erektion spielt die Durchblutung des Penis bzw. der Schwellkörper eine wichtige Rolle. Unter vaskulär bedingten Erektionsstörungen versteht man eine unzureichende Blutfüllung der Schwellkörper während der sexuellen Stimulation. Da am Blutstau sowohl das arterielle als auch das venöse Blutsystem beteiligt sind, unterscheidet man grundsätzlich Veränderungen des arteriellen Einstroms und des venösen Abstroms bzw. des Verschlußmechanismus.

Etwa 70 Prozent aller organisch bedingten erektilen Dysfunktionen entstehen durch Durchblutungsstörungen der Genitalien. Innerhalb der Gruppe der vaskulären Impotenz dominieren dabei die arteriellen Durchblutungsstörungen. Ist der arterielle Blutzustrom um mehr als 85 Prozent verringert, entsteht eine Dysfunktion. Ursache Erektionsstörungen ist in den meisten Fällen eine arteriosklerotische Veränderung der Penisarterien.

Die Fähigkeit der Arterien, sich zu erweitern, wird durch diese geweblichen Gefäßveränderungen deutlich eingeschränkt. Voraussetzung zur Entstehung einer penetrationsfähigen Erektion ist jedoch ein gesteigerter Bluteinstrom über die Arterien in die Schwellkörper. Arteriosklerotische Veränderungen sind oft die Folge einer Vielzahl anderer Grunderkrankungen.

Patienten mit arteriellen Durchblutungsstörungen weisen meist einen oder mehrere Risikofaktoren für Arteriosklerose auf. So besteht erhöhte Gefahr, an einer vaskulären erektilen Dysfunktion zu erkranken, wenn gleichzeitig eine Herzerkrankung, Bluthochdruck, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Fettstoffwechselstörungen oder Depressionen vorliegen. Auch Raucher zählen zu der Risikogruppe und kann ursache zu Erektionsstörungen. Daneben können aber außerdem operativ verursachte Arterienverletzungen durch Eingriffe am Darm und im Bek-kenbereich dafür verantwortlich sein.

Unfälle (etwa ein Beckenbruch) und Nebenwirkungen von Medikamenten haben auch manchmal Erregungsstörungen zur Folge. Die Patienten berichten über einen verzögerten Erektionsbeginn und über Schwierigkeiten, die Erektion aufrechtzuerhalten. Das Ausmaß der sexuellen Stimulation entspricht nicht dem Grad der körperlichen Erregung. Diese Art von Potenzproblemen entwickelt sich meist langsam und ist typischerweise nicht partner- oder situationsabhängig.

Venös bedingte ursache von Erektionsstörungen lassen sich auf Gewebeveränderungen des Schwellkörpers selbst oder auf Veränderungen der ihn umgebenden Hülle (Túnica albugínea) zurückführen. Kommt es mit steigendem Alter oder infolge von Begleiterkrankungen zu einer Abnahme der Schwellkörpermuskulatur oder wird sie durch Bindegewebe ersetzt, verringert sich damit ihre Elastizität. Die Ausdehnung der Schwellkörper ist aber ein wichtiger Faktor für den Blutstau während der Erektion. Durch die Vergrößerung des erigierten Penis werden in ihm die blutabtransportierenden Venen zusammengedrückt. Ist die Ausdehnung des Schwellkörpergewebes ungenügend, funktioniert der venöse Verschlußmechanismus nicht richtig. Der nötige Blutstau kann nicht erreicht bzw. erhalten werden, da zuviel Blut über das venöse Gefäßsystem verlorengeht. Die Patienten empfinden diesen Zustand als deutlich abgeschwächte oder zeitlich verkürzte Erektion, bei der die anfängliche Steifheit des Penis schnell nachläßt. Bestehen die vaskulären Veränderungen über Jahre, kommt es zu einer schweren ursache Erektionsstörungen.

Die Bindegewebszunahme der Schwellkörper (FachbegrifF: Firungen nach Traumata (Unfällen), nach Priapismus (schmerzhafte Dauererektion) oder als Nebenwirkung der Autoinjektionstherapie (SKAT) beobachtet. In den meisten Fällen von vaskulär bedingten Potenzstörungen kommt es im Laufe der Zeit zu einer Kombination aus mangelndem Bluteinstrom und unzureichendem Verschluß der Venen. Typisch fiir vaskulär bedingte Dysfunktionen ist der langsame Verlauf, die zunehmend schlechter werdende Erektionsfähigkeit und die anfängliche Unabhängigkeit der Funktionsstörung von Partnerin oder Situation.